Pflanzenschutz für Landwirte unbezahlbar – Warum Herbizide so extrem teuer sind #pflanzenschutz #pflanzenschutzmittel
Pflanzenschutz-Markt 2025 Pflanzenschutz für Landwirte unbezahlbar – Warum Herbizide so extrem teuer sind © stock.adobe.com/Countrypixel Anders als in Deutschland sind die Preise für Pflanzenschutzmittel am Weltmarkt 2024 nämlich heftig gefallen. Das zeigen die Daten aus China, einem der weltweit größten Exporteure von Pflanzenschutzmitteln und Dünger. Teilen Pinnen Whatsapp Teilen Mail Druck Dr. Olaf Zinke, agrarheute am Donnerstag, 06.02.2025 – 11:02 Die Preise für Pflanzenschutzmittel sind am Weltmarkt heftig gefallen. Die wichtigsten Herbizide und Fungizide kosten in China nur noch halb so viel wie zur Pandemie. Nicht so in Deutschland. Hier müssen die Landwirte fast die gleichen Preise zahlen wie 2023. Warum ist das so? © Olaf Zinke Für Pflanzenschutzmittel – wie Herbizide und Fungizide – zahlen die deutschen Bauern unverändert die bisherigen Rekordpreise aus dem Jahr 2023. Mehr lesen Text Die Getreidepreise sind 2024 heftig gefallen. Auch für 2025 sieht es bei den Erzeugerpreisen nicht gut aus. Gleichzeitig steigen die Düngerpreise Anfang 2025 steil an. Keine guten Nachrichten für Landwirte. Doch es gibt noch mehr Probleme: Für Pflanzenschutzmittel – wie Herbizide und Fungizide – zahlen die deutschen Bauern unverändert die bisherigen Rekordpreise aus dem Jahr 2023. Für Insektizide steigen die Kosten sogar noch weiter. Das zeigen die Daten des Statischen Bundesamtes (Destatis). Das passt so gar nicht zur Preisentwicklung am Weltmarkt und in China, wo die Preise 2024 heftig gefallen sind. Die Vizepräsidentin Industrieverbandes Agrar e. V. (IVA) Karin Guendel Gonzalez, erklärt das knappe Angebot und die hohen Preise in Deutschland folgendermaßen: „Es ist 5 vor 12. Der Landwirtschaft gehen die Pflanzenschutzmittel aus. Das hat Auswirkungen auf die einheimische Produktion. Bei Obst- und Gemüse sind wir vielfach längst auf Importe angewiesen. Selbst bei großen Ackerkulturen müssen häufig Notfallzulassungen erteilt werden, weil es (in Deutschland) an regulär zugelassenen Pflanzenschutzmitteln fehlt.“ Fakt ist jedenfalls: Während der Landwirtschaft 1993 noch etwa 700 chemische Wirkstoffe zur Verfügung standen, sind es aktuell nur noch etwa 200 – ein Rückgang von über 70 Prozent, stellt der IVA fest. Und die Landwirte sehen, dass ihre Margen bei Weizen, Mais und Raps auch 2025 extrem eng sind. Sie suchen deshalb nach Möglichkeiten, Kosten zu sparen, auch beim Einsatz von Pflanzenschutz und Düngemitteln. Wir brauchen Ihre Einwilligung Dieser Inhalt wird von bereit gestellt. Wenn Sie den Inhalt aktivieren, werden ggf. personenbezogene Daten verarbeitet und Cookies gesetzt. Akzeptieren Weltmarktpreise haben sich halbiert © Olaf Zinke Für Insektizide steigen die Einkaufspreise sogar noch weiter. Das zeigen die Daten des Statischen Bundesamtes (Destatis). Mehr lesen Anders als in Deutschland sind die Preise für Pflanzenschutzmittel am Weltmarkt nämlich heftig gefallen. Das zeigen die Daten aus China, einem der weltweit größten Exporteure von Pflanzenschutzmitteln und Dünger. Bei chinesischen Herstellern haben sich die Preise für das Herbizid Glyphosate von Februar 2023 bis Herbst 2024 nahezu halbiert – von 6,94 USD/kg (exw) auf 3,54 USD/kg. Im gleichen Zeitraum verbilligte sich das Herbizid Glufosinat von 14,55 USD/kg auf 7,56 USD/kg, berichtet der Pflanzenschutz-Experte David Li auf agribusinessglobal. Das gleiche trifft auf Fungizide wie etwa Difenoconazol und Azoxystrobin sowie auf Insektizide wie Indoxacarb und Imidacloprid zu. Damit befinden sich die Preise für Pflanzenschutzprodukte in China 2025 fast auf historischen Tiefstständen. An solchen einen Preisrutsch ist hierzulande gar nicht zu denken. Li berichtet jedoch auch über den anhaltende Abbau globaler Lagerbestände in Verbindung mit einem immer härteren Wettbewerb der chinesischen Exportunternehmen. Danach haben die niedrigeren Preise für Pflanzenschutzmittel in China und auf dem Weltmarkt auch zu einer schlechteren Auslastung der Produktionsanlagen geführt, glaubt Li. Zwei der weltweit größten Agrochemieunternehmen, Bayer und BASF, haben ihren Hauptsitz jedoch in Deutschland (und sie produzieren auch in China). Damit haben diese Unternehmen einen erheblichen Einfluss auf den Pflanzenschutzpreise sowohl in Deutschland und Europa als auch am Weltmarkt. In Deutschland wird der agrochemische Markt von Herbiziden dominiert, erst dann folgten Insektizide und Fungizide. Der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) sagt ungeachtet der hohen Preise am deutschen Binnenmarkt: Bei chemischen Pflanzenschutz spielt Deutschland mit einem Weltmarktanteil von knapp 10 Prozent eine herausragende Rolle. Die Exportquote für Pflanzenschutzmittel liegt bei über 60 Prozent. So knapp können die Pflanzenschutzmittel dann also doch nicht sein. Mehr zum Thema Preise für Pflanzenschutz explodieren – Bauern müssen improvisieren Landwirte kaufen sehr kurzfristig © Olaf Zinke Für Fungizide zahlen die deutschen Bauern ebenfalls unverändert die bisherigen Rekordpreise aus dem Jahr 2023. Mehr lesen Während es in den letzten 18 Monaten in einigen europäischen Ländern Probleme bei der Versorgung mit Pflanzenschutzmitteln gab, erwarten Analysten, dass sich die Situation 2025 deutlich entspannt. Fakt ist aber auch: Die Kaufgewohnheiten der Landwirte und Händler verlagern sich immer stärker zu einem Just-in-Time-Ansatz und weichen von den hohen Vorkaufsraten ab, die etwa nach der Pandemie aufgrund der Unsicherheit über die Produktversorgung üblich waren, sagt Derek Oliphant von AgbioInvestor, einem Analyseunternehmen in den Bereichen Agrochemikalien sowie Saatgut für agribusinessglobal. Der Pflanzenschutzmarkt in Europa wuchs nach den Daten von AgbioInvestor im Jahr 2023 um 5,3 Prozent, was vor allem wegen der besseren Wetterbedingungen in Schlüsselmärkten eine Erholung von dem sehr schlechten Jahr 2022 bedeutete. Im Jahr 2024 dürfte der Pflanzenabsatz in Europa hingegen um 5,0 Prozent auf 13,715 Mrd. US-Dollar zurückgegangen sein, was hauptsächlich auf ungünstige Witterungsbedingungen in mehreren Regionen zurückzuführen ist, die sich insbesondere bei Wintergetreide auswirkten, sagt Oliphant. Nässe erschwerte sowohl den Anbau und die Entwicklung der Nutzpflanzen als auch den Zugang zum Feld sowohl für die Aussaat als auch für den Pflanzenschutz und die Düngung. In den südlichen Ländern der EU waren die Bedingungen zwar etwas besser, dort werden jedoch weniger Winterkulturen wie Getreide und Raps angebaut. Mehr zum Thema Preise für Pflanzenschutz teuer wie nie – Besserung erst 2023 Mehr Wintergetreide – mehr Pflanzenschutz? Für 2025 ist bei normaleren Wetterbedingungen eine positive Entwicklung auf dem europäischen Markt zu erwarten, sagen die Experten von AgbioInvestor. Die wetterbedingte Probleme im Jahr 2024 hatten Ernte und Einsatz von Pflanzenschutz in Europa deutlich reduziert. In diesem Jahr ist die Aussaatfläche bei Wintergetreide in Deutschland und Europa deutlich größer. Am Markt für Pflanzenschutz und Dünger sind die schlimmsten Inflationseffekte jedenfalls vorbei, obwohl die extrem hohen Energiepreise in Europa und Deutschland für anhaltend hohen Kosten und erhebliche Wettbewerbsnachteile für die heimische Industrie und die Landwirte sorgen. Auch wenn die Preise für Agrarchemikalien am Weltmarkt gefallen sind, sind die Auswirkungen in Europa geringer als in vielen anderen Regionen, da Europa nicht so sehr auf chinesisches Material angewiesen ist, begründet Oliphant den großen Preisunterschied zum Weltmarkt. Die Kosten in Europa werden von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, wobei die Energiekosten ein Schlüsselfaktor dafür sind, dass die Preise über den meisten anderen regionalen Märkten liegen. Darüber hinaus kann durch die Einführung neuer Produkte weiterhin ein weiterer Mehrwert erzielt werden, da Wirkstoffe wie Bixlozon und Cinmethylin in Märkten eingeführt werden können, in denen Regulierung und Resistenz in den letzten Jahren die Produktauswahl eingeschränkt haben. Bis zu 30 Prozent Ertragsausfall Der europäische Agrarsektor steht vor wachsenden Herausforderungen durch aggressiven Unkrautbefall, der die Ernteerträge und die Ernährungssicherheit gefährdet, sagen die Analysten des global tätigen Marktforschungs- und Beratungsunternehmen mordorintelligence. Jüngste Untersuchungen haben eine alarmierende Zunahme an Unkrautarten in der gesamten Region festgestellt. Studien belegen, dass allein im französischen Weizenanbau 108 verschiedene Unkrautarten vorkommen. Eine Untersuchung in fünf europäischen Ländern (Dänemark, Finnland, Deutschland, Lettland und Schweden) ergab 197 verschiedene Unkrautarten, die den Weizenanbau beeinträchtigen. Diese Unkrautvielfalt stellt große Herausforderungen an die Unkrautbekämpfung und den Pflanzenschutz, da unkontrollierte Unkräuter massive Ertragsverluste verursachen, die von 25 bis 30 Prozent im Weizenanbau bis zu 90 bis 95 Prozent im Zuckerrübenanbau reichen. Landwirte haben auf diese Herausforderungen durch veränderte Anwendungsmethoden reagiert, wobei sich die Bodenbehandlung als bevorzugte Methode zur Unkrautbekämpfung herausgestellt hat. Diese Methode hat sich besonders bei der Unkrautbekämpfung im Frühstadium als wirksam erwiesen und bietet Landwirten einen verbesserten Pflanzenschutz bei gleichzeitiger Optimierung des Herbizideinsatzes. Die Einführung von Präzisionstechniken hat zu gezielteren Anwendungsmethoden geführt, wobei die Blattapplikation im Jahr 2022 noch knapp 30,6 Prozent des Verbrauchs ausmacht, berichtet mordorintelligence. Glyphosat bleibt wichtigstes Herbizid Der Herbizidsektor macht im Jahr 2022 knapp 35 Prozent des gesamten EU-Marktes für Pflanzenschutzchemikalien aus. Diese bedeutende Marktposition spiegelt die wesentliche Rolle von Herbiziden wider, auf die sich Landwirte zur Aufrechterhaltung von Ernteerträgen und -qualität setzen. Herbizide auf Glyphosatbasis behaupten bislang ihre Position als am häufigsten verwendetes Herbizid in Europa, das 33 Prozent des gesamten EU-Herbizidmarktes ausmacht, berichten die Analysten von mordorintelligence. Der Einsatz von Herbiziden auf Glyphosatbasis in Europa ist weiterhin erheblich, insbesondere in den größeren Agrarmitgliedsstaaten der Europäischen Union, wie Frankreich und Deutschland. Daten des Farm Accountancy Data Network (FADN) zeigen, dass der Preis für Glyphosat in Deutschland und Frankreich am höchsten war, gefolgt vom Vereinigten Königreich. Landwirte werden 2025 sparen Die Preise für wichtige Herbizide wie Glyphosat sind im vergangenen Jahr stark eingebrochen. Das gilt insbesondere für den Weltmarkt und die USA. In Europa und in Deutschland sind die Preise kaum gefallen, zeigen die Daten von Destatis. Das UA-Agrarportal AgWeb hat kürzlich Landwirte befragt, welche Kostensenkungsmaßnahmen sie für 2025 auf ihrem Betrieb umsetzen wollen. Von den mehr als 1.300 Landwirten, die an der Online-Umfrage teilnahmen, war die Antwort am deutlichsten: Maschinen. Fast 80 Prozent der Landwirte geben an, dass an dieser Stelle sparen werden. Die Landwirte wissen, dass die Margen bei Getreide und Ölsaaten 2025 sehr schmal sein werden. Sie suchen nach Möglichkeiten, um Kosten zu sparen“, sagt Steve Hoffman, ein unabhängiger Pflanzenberater bei InDepth Agronomy im Osten Wisconsins. „Wir befinden uns offensichtlich in einer schwierigen Phase des Zyklus, in der weltweit nach der Pandemie und Lieferkettenunterbrechung ein Überangebot an Pflanzenschutzmitteln auf den Markt drängte. Händler drosselten den Verkauf und die Einlagerung. Und es gab keinerlei Probleme mit der Produktion und den Lieferungen aus China, dem eigentlichen Drehkreuz für viele dieser Wirkstoffe“, sagt Samuel Taylor, geschäftsführender Forschungsdirektor für landwirtschaftliche Betriebsmittel für den nordamerikanischen Markt bei der Rabobank. Taylor sagt, als die Agrarpreise fielen, stornierten viele Erzeuger ihre Bestellungen. Das führte dazu, dass die Preise für viele Wirkstoffe, die in wichtigen Herbizidprodukten verwendet werden, ebenfalls fielen. Ich denke, dass die Landwirte in diesem Jahr einen preisgünstigen Markt für viele dieser Wirkstoffe sehen werden“, sagt Taylor. Herbizide ist zudem kein Bereich, in dem Landwirte ihre Produktmenge reduzieren wollen, doch die AgWeb-Umfrage ergab, dass 40 Prozent der Landwirte eine Reduzierung der Düngemittelmengen planen. „Ich denke, einer der ersten Sparmöglichkeiten, über die wir mit den Erzeugern sprechen, sind Phosphor und Kalium. Am ehesten können hier die Mengen gesenkt werden“, sagt Hoffman. Hoffman warnt jedoch davor, pauschale Kürzungen vorzunehmen. „Schauen Sie sich ihre Bodentests an, finden Sie die Felder, die möglicherweise gut versorgt sind, und bringen sie dort weniger Dünger aus“, sagt Hoffman. Politischer Einfluss bleibt hoch Eines der größten Probleme, mit denen die Landwirte in den Europa und den USA in den letzten Monaten konfrontiert waren, sind sinkende Getreidepreise, die die landwirtschaftlichen Einkommen drücken und alle positiven Auswirkungen niedrigerer Inputpreise zunichtemachen, sagt Derek Oliphant. In Europa wirken sich zudem die steigenden Auflagen negativ auf die landwirtschaftlichen Einkommen aus. Für das Jahr 2024 hatten das USDA einen Rückgang des landwirtschaftlichen Einkommens um 4,4 Prozent, prognostiziert. Die Ausgaben für Pflanzenschutzmittel durch die US-Farmer werden nach den Prognosen von AgbioInvesto voraussichtlich um 10,4 Prozent sinken. Für 2025 deuten die Auswirkungen niedrigerer Rohstoffpreise, geringerer Anbauflächen für bestimmte wichtige Kulturpflanzen, etwa für Mais in den USA und Raps in Kanada, sowie die Erwartung anhaltend trockener Wetterbedingungen darauf hin, dass sich diese negative Dynamik im laufenden Agrarjahr 2025 fortsetzen könnte. Nach vorläufigen Schätzungen wird erwartet, dass der Wert des Pflanzenschutzmarktes in Nordamerika im Jahr 2024 nominal um 5,5 Prozent auf 11,7 Mrd. US-Dollar sinken wird. Mit Blick auf die Zukunft ist zu erwarten, dass in erheblichem Umfang rechtliche bzw. politische Entscheidungen in Europa und den USA große Auswirkungen auf die Vertriebskette und die Produktverfügbarkeit im Land haben werden. Pflanzenschutz Pflanzenschutzmittel Teilen Pinnen Whatsapp Teilen Mail Druck